Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Kornhaus Kempten: Ein lebendiges und offenes Einzeldenkmal in der Kernstadt
87439 Kempten, Großer Kornhausplatz 1
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: hochstrasser. gesellschaft für architektur mbh
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Großer Kornhausplatz 1, 87439 Kempten, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
05.2025
Nachhaltigkeit
Prädikat KlimaKulturKompetenz Barrierefreiheit
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
24.956 m³
Bruttogrundfläche
7.327 m²
Nutzfläche
4.250 m²
Verkehrsfläche
757 m²
Grundstücksgröße
1.383 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
2.426.160 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
26.450.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Ein lebendiges und offenes Einzeldenkmal in der Kernstadt
Das Kornhaus in der nördlichen Altstadt von Kempten ist ein barockes Einzeldenkmal aus der Zeit um 1700. Ursprünglich als massiver Kornspeicher errichtet, wurde das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgenutzt und erweitert. Trotz dieser Eingriffe blieb die historische Substanz weitgehend erhalten. Fehlende bauphysikalische Ertüchtigungen, veraltete Haustechnik sowie statische und brandschutztechnische Defizite führten 2019 zum Erlöschen der Betriebserlaubnis – und eröffneten zugleich die Chance für eine grundlegende, zukunftsorientierte Neuinterpretation.
Leitmotiv der Sanierung ist das Prinzip „Erhalt vor Erneuerung“. Ziel war eine denkmalgerechte Weiterentwicklung mit maximalem Substanzerhalt, die das Kornhaus als identitätsstiftenden Stadtbaustein stärkt und gleichzeitig neue, vielfältige Nutzungen ermöglicht. Entstanden ist ein offenes, multifunktionales Kulturhaus mit Veranstaltungsräumen in den Sälen des 1. Obergeschosses, Ausstellungs- und Gastronomieflächen im Erdgeschoss sowie Seminar-, Büro- und Kommunikationsbereichen in den oberen Geschossen. Die gleichzeitige Nutzung durch bis zu 1.800 Personen belebt das Gebäude und bindet es stärker in das städtische Leben ein.
Die funktionale Neuordnung basiert auf einer klar strukturierten Erschließung. Reaktivierte Zugänge und ein zusätzlicher Aufzug verbessern die Orientierung und Zugänglichkeit des Hauses deutlich. Brandschutztechnische Maßnahmen und die Integration moderner Gebäudetechnik sichern eine flexible und zukunftsfähige Nutzung.
Im Fokus der architektonischen Umsetzung steht der respektvolle Umgang mit dem Bestand. Historische Tragwerke, Gewölbe, Oberflächen und Bauteile wurden materialgerecht instandgesetzt und bleiben als prägende Elemente sichtbar. Die charakteristische Tragstruktur bestimmt die Raumwirkung, insbesondere in den neu geschaffenen Büro- und Besprechungsräumen im ausgebauten Dachgeschoss. Neue Elemente und technische Einbauten sind bewusst zurückhaltend und klar zeitgenössisch gestaltet, sodass die Baugeschichte des Hauses lesbar bleibt.
Die städtebauliche Präsenz des Kornhauses innerhalb des denkmalgeschützten Ensembles bleibt unangetastet. Die Weiterentwicklung erfolgt überwiegend im Inneren und stärkt so die historische Identität im Stadtraum. Bauphysikalisch abgestimmte Maßnahmen beheben Feuchteschäden und sichern langfristig die Substanz des Gebäudes. Ergänzend wurde die Gebäudetechnik präzise integriert und energetisch optimiert.
So vereint die Sanierung des Kornhauses den Erhalt historischer Baukultur mit zeitgemäßer Funktionalität, Sicherheit und einer behutsamen Weiterentwicklung in Richtung Nachhaltigkeit und barrierearmer Nutzung – und macht das Gebäude zu einem lebendigen Ort für die Stadtgesellschaft.
Beschreibung der Besonderheiten
Im Sinne von Suffizienz und Adaptivität wurde die vorhandene Struktur konsequent weitergenutzt und in ihrer Funktion präzise ergänzt. Die Umnutzung der Dachgeschosse zu Büro- und Besprechungsräumen sowie die flexible Ausgestaltung der Veranstaltungs- und Seminarbereiche ermöglichen eine vielfältige, parallel organisierbare Nutzung. Mobile Trennwände und autark erschließbare Einheiten schaffen eine hohe Anpassungsfähigkeit an wechselnde Anforderungen und sichern die dauerhafte Bespielbarkeit des Hauses. Gleichzeitig verbessert eine gezielt integrierte Anlagentechnik den thermischen Komfort, während ein abgestimmtes Licht- und Akustikkonzept die Aufenthaltsqualität in allen Bereichen deutlich erhöht.
Auch in soziokultureller Hinsicht leistet das Kornhaus einen nachhaltigen Beitrag: Als prägender Ort innerhalb des historischen Zentrums von Kempten stärkt es die Identität der Altstadt und fungiert als offenes, inklusives Kultur- und Veranstaltungsforum für eine breite Öffentlichkeit. Gemeinschaftlich nutzbare Räume, flexible Belegungskonzepte und die Präsenz der Betreiber vor Ort fördern Interaktion, Teilhabe und eine lebendige Nutzung im Alltag wie bei Veranstaltungen.
Zirkuläres Denken prägt die bauliche Umsetzung. Entsprechend dem Leitmotiv „Erhalt vor Erneuerung“ wurden historische Bauteile, Tragwerke und Oberflächen materialgerecht instandgesetzt und, wo erforderlich, konservatorisch gesichert. Die weitgehende Integration des Bestands reduziert den Materialeinsatz und erhält die handwerkliche Qualität des Gebäudes. Neue Elemente sind bewusst additiv und demontierbar konzipiert, um zukünftige Anpassungen zu erleichtern. Ein baubegleitendes Material- und Schadstoffmanagement dokumentiert Bestand und Ergänzungen und schafft eine belastbare Grundlage für künftige Eingriffe.
Barrierefreiheit ist als durchgängiges Prinzip im Gebäude und seinem Umfeld verankert. Ein klar strukturiertes, taktiles und visuelles Leitsystem ermöglicht eine intuitive Orientierung vom Stadtraum bis in alle öffentlichen Bereiche des Hauses. Barrierefreie Zugänge, ein neu integrierter Aufzug sowie entsprechend ausgestattete Sanitärräume gewährleisten die selbstständige Nutzung aller Geschosse. Ergänzt wird dies durch Hörhilfen, nutzerfreundliche Bedienkonzepte und definierte Anlaufstellen.
Besonders im denkmalgeschützten Kontext wurden hierfür differenzierte Lösungen entwickelt: Die Reaktivierung bestehender Eingänge in Verbindung mit einer automatisierten Zutrittsorganisation verbessert die Zugänglichkeit niederschwellig, ohne die historische Substanz zu beeinträchtigen. Im Außenraum verbinden Bodenleitlinien das Kornhaus mit angrenzenden Wegen, Plätzen und zentralen Stadträumen und stärken so die Orientierung und Sicherheit für alle Nutzergruppen.
Insgesamt entsteht ein integratives und zukunftsfähiges Gesamtkonzept, das den historischen Bestand bewahrt, Ressourcen schont und gleichzeitig eine gleichberechtigte, komfortable Nutzung ermöglicht.
Nachhaltigkeit
Im Sinne der Suffizienz wurde das Raumprogramm innerhalb der bestehenden Struktur neu organisiert und verdichtet. Un- bzw. untergenutzte Bereiche – insbesondere die Dachgeschosse – wurden aktiviert, ohne die Gebäudehülle und die Kubatur wesentlich zu verändern. Flexible Grundrisse und multifunktionale Nutzungskonzepte ermöglichen eine langfristige Anpassungsfähigkeit und reduzieren zukünftigen Flächen- und Ressourcenbedarf.
Die Effizienzstrategie konzentriert sich auf eine präzise abgestimmte Gebäudetechnik und bauphysikalische Optimierung. Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wurde die thermische Hülle gezielt ertüchtigt: historische Fenster wurden aufgearbeitet, partiell kamen Innendämmungen und Dämmputze zum Einsatz, und das Dach wurde mit optimierter Zwischensparrendämmung ausgestattet.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Anbindung an das örtliche Fernwärmenetz, wodurch der bisherige Gaskessel ersetzt werden konnte. Flächenheizsysteme in Form von Fußboden- und Wandheizungen ermöglichen niedrige Vorlauftemperaturen bei gleichzeitig verbessertem thermischem Komfort und Feuchteschutz. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über Durchlauferhitzer, wodurch Zirkulationsverluste vermieden werden. Ergänzend wurde ein passives Kühlsystem im Dachgeschoss integriert, das den sommerlichen Wärmeschutz unterstützt.
Die Materialstrategie folgt dem Prinzip der Konsistenz und Kreislauffähigkeit: Bestehende Tragwerke, Gewölbe und Oberflächen wurden weitestgehend erhalten, materialgerecht instandgesetzt und konservatorisch gesichert. Neue Bauteile sind bewusst additiv, reversibel und sortenrein gefügt, um spätere Anpassungen, Rückbau und Wiederverwendung zu ermöglichen. Der Einsatz langlebiger, robuster und – soweit möglich – nachwachsender bzw. recyclingfähiger Materialien unterstützt diesen Ansatz.
Ein baubegleitendes Material- und Schadstoffmanagement dokumentiert systematisch sowohl den Bestand als auch alle neu eingebrachten Materialien und schafft damit eine belastbare Grundlage für zukünftige Eingriffe im Sinne zirkulärer Wertschöpfung.
Umgesetzt wurde damit ein energie- und ressourceneffizientes Sanierungskonzept, das die historische Substanz bewahrt, den Energieeinsatz reduziert und durch flexible sowie langlebige Strukturen eine Nutzungsperspektive für das Kornhaus nachhaltig sichert.
Auszeichnungen
Architektouren 2026 (BYAK)
Prädikat KlimaKulturKompetenz Barrierefreiheit
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Sekundärenergie
Strom
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
20
Anzahl Sitzplätze
1.000
Das Objekt im Internet
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