Architekturobjekt 515 von 667

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2015: Teilnehmer


KITA Hansaplatz MĂŒnster

Diese ObjektprĂ€sentation wurde angelegt von: msa | mĂŒnster school of architecture, Architektur, Viktoria Millentrup

Diese ObjektprĂ€sentation wurde angelegt von: msa | mĂŒnster school of architecture, Architektur, Viktoria Millentrup

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Verwendete Produkte

Temme Obermeier

Textile Membranen

ETFE-Folienkissen

GebÀudedaten

Tragwerkskonstruktion

Stahl

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und FlĂ€chen

BruttogrundflÀche

1.700 m²

 

NutzflÀche

1.500 m²

 

GrundstĂŒcksgrĂ¶ĂŸe

2.500 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Unter der Voraussetzung der Entwicklung eines adĂ€quaten pĂ€dagogischen Entwurfskonzeptes und einer darauf abgestimmten Konstruktion, soll auf dem Hansaplatz eine Kita mit 1500 qm GrĂŒnanlage und einer KapazitĂ€t von 6 - 8 Gruppen entstehen. Das Raumprogramm soll eine Kindermensa, großzĂŒgige Gruppen- und AktionsrĂ€ume, SchlafrĂ€ume, eine Garderobe, eine Verwaltung und eine Mehrzweckhalle beinhalten.

Beschreibung der Besonderheiten

Das pÀdagogische Entwurfskonzept

Durch die stĂ€dtische Lage ergeben sich ruhige und lĂ€rmbelastete Platzseiten. Eine dementsprechende Umgestaltung der Platzstruktur mit einem geringen AusdĂŒnnen des vorhandenen Baumbestandes und der Erneuerung der Parkanlagen ermöglichen eine gute Positionierung mit genĂŒgend Sonnenlicht und niedrigem GerĂ€uschpegel fĂŒr die geplante Kita, sowie neue QualitĂ€ten fĂŒr die Anwohner.

Das Konzept der KindertagesstĂ€tte am Hansaplatz basiert auf einem nach innen gerichteten Grundrissprinzip mit einer schlĂŒssigen Raumabfolge, dem Umgang mit der vorherig beschriebenen stĂ€dtischen Situation und Lage und dem verantwortungsbewussten Zusammenspiel von GrĂŒnraum und GebĂ€ude.
Ein nach innen gerichteter Grundrisstyp ermöglicht nicht nur den Kindern das Beobachten und Spielen, sondern erleichtert den Erziehern zusÀtzlich das Kommunizieren, Betreuen und gezielte Fördern der Kinder.

Eine „Spielinsel“ (Zwischenetage), in der insgesamt zweigeschossigen Anlage, fĂŒhrt die Gruppen zusammen und dient, durch ihre bewusst gewĂ€hlte Position, gleichzeitig als Vermittler fĂŒr alle umliegenden RĂ€umlichkeiten. Diese RĂ€ume ordnen sich in einem U um die Spielinsel herum an.

Eine membrane kissenartige Dachhaut verleiht dem Ganzen einen Innenhofcharakter und sorgt nicht nur fĂŒr die ausreichende Belichtung mit natĂŒrlichem Tageslicht fĂŒr alle Gruppen- und AufenthaltsrĂ€ume, sondern auch fĂŒr genĂŒgend UV- und WĂ€rmeschutz. Das gezielte Belichten der RĂ€ume ĂŒber den ĂŒberdachten Innenhof mit Spielinsel ermöglicht gleichzeitig eine sehr klare und zurĂŒckhaltende Fassadengestaltung.

Als nĂ€chster konzeptioneller Schritt wird das GebĂ€ude angehoben und auf StĂŒtzen gestellt, um einen fließenden GrĂŒnraum und einen „trockenen“ Spiel-Außenraum fĂŒr die Kinder zu schaffen. Durch die nach unten durchstechende „Insel“ ergibt sich eine Mehrzweckhalle, die von den Kindern fĂŒr sportliche AktivitĂ€ten genutzt werden kann. Durch das Abkoppeln dieser Insel vom GebĂ€ude ist es möglich die Mehrzweckhalle separat fĂŒr Veranstaltungen außerhalb der Betreuungszeiten den BĂŒrgern barrierefrei zur VerfĂŒgung zu stellen. Mit dem Anheben des GebĂ€udes und der nun nutzbaren Unterseite muss nur noch ein Teil der einstmalig öffentlichen GrĂŒnflĂ€che in Anspruch genommen werden, ein Drittel der FlĂ€che kann durch diesen Schritt der Öffentlichkeit zurĂŒckgefĂŒhrt werden.

Die Kita ist fĂŒr sechs Gruppen a fĂŒnfzehn Kinder und zwei Betreuer ausgelegt und verfĂŒgt darĂŒber hinaus ĂŒber einen gerĂ€umigen Essbereich mit KĂŒche und zahlreiche weitere AktionsrĂ€umen, die je nach Erziehungskonzept fĂŒr z.B. musikalische, kĂŒnstlerische, religiöse FrĂŒherziehung genutzt werden können. Auch die Garderobe und der Verwaltungsbereich der Kita sind großzĂŒgig ausgelegt.

Um ein hohes Maß an FlexibilitĂ€t der Raumgestaltung zu schaffen, wurden jeweils zwei GruppenrĂ€ume einander zugeordnet. Diese teilen sich einen SanitĂ€rblock und einen Ruheraum, der zusĂ€tzlich auch fĂŒr andere AktivitĂ€ten umfunktioniert und sogar vollstĂ€ndig geöffnet werden kann, um das Zusammenlegen der Gruppen zu ermöglichen. Je nach Tagesplan der Gruppen kann entschieden werden, ob und wie ein Raum fĂŒr Einzelbetreuung, fĂŒr Kleingruppen, fĂŒr das Zusammenlegen von einzelnen oder allen Gruppen genutzt werden soll.


Die Konstruktion

Die konzeptionelle Entscheidung das GebĂ€ude anzuheben und auf StĂŒtzen zu platzieren erfordert ein Tragwerk das diesen spezifischen AnsprĂŒchen gewachsen ist: Eine Skelettkonstruktion aus Stahl, die die KrĂ€fte sicher durch die drei Auflagerpunkte in das Fundament abtrĂ€gt und dem entwickelten Entwurf gerecht wird.

Eine weiter Entscheidung war es, die drei StĂŒtzten unter die drei Nasskerne des GebĂ€udes anzuordnen, um sie neben ihrer tragenden Funktion auch fĂŒr die Unterbringung von Zu- und AbwasseranschlĂŒsse zu nutzen.

Das PrimĂ€rtragwerk ist eine Konstruktion aus drei sich kreuzenden Vierendeel-Rahmen (HEB 500), welche biegesteif miteinander verschraubt sind. Jeder der drei Rahmen liegt auf einer V-StĂŒtze auf, welche die Kraft in einem Punkt bĂŒndelt und in das darunterlegende Fundament abtrĂ€gt. An dieser Rahmenkonstruktion sind wiederum die Vierendeel-Rahmen, welche die vier Fassadenseiten umfassen, angehĂ€ngt. Dieses SekundĂ€rtragwerk (HEB 300) ist ebenfalls biegesteif mit dem PrimĂ€rtragwerk verschraubt.
Alle zwischenliegenden notwendigen StahltrĂ€ger des TertiĂ€rtragwekes sind ebenfalls in HEB 300 ausgefĂŒhrt und gelenkig verschraubt.
Die biegesteifen Verschraubungen der Vierendeelrahmen ergeben ein optimal ausgesteiftes GefĂŒge aus Stahl, welches, trotz großer Querschnitte, zu einer schwebend wirkenden Konstruktion verhilft.

Die Mehrzweckhalle, umrahmt von transluzent geĂ€tztem Glas, unterstreich zusĂ€tzlich diesen schwebenden Charakter des GebĂ€udes und flutet gleichzeitig den Ă€ußeren Spielbereich mit Licht.

Der Innenausbau erfolgt ĂŒber einen klassischen und zudem kostengĂŒnstigen Trockenbau, welcher nicht nur ein klares Raumbild ermöglicht, sondern auch den Brandschutzanforderungen fĂŒr Stahlbau gerecht wird.

Spielbereiche, wie zum Beispiel die Insel mit ihren Rampen zu den anliegenden RĂ€umen und die geschwungenen Spielwand fĂŒr die Kinder von 0 bis 3 Jahren sind mit weichem, warmen Filz ausgestattet. Die restlichen Böden, auch die der NassrĂ€ume, sind in pflegeleichtem und farbenfrohen Linoleum ausgefĂŒhrt.

Fassadenpanele aus gewelltem weißem Acrylglas ergeben, wie bei dem Referenzprojekt von Sanaa auf dem Vita Campus, ein sehr klares Ă€ußeres Erscheinungsbild ohne jegliche Fugen, da jedes einzelne Panel mit einer Höhe von ca. 8m vorgehĂ€ngt ist und dessen Fugen regelrecht unsichtbar verklebt sind. Diese vorgehĂ€ngte Fassade verdeckt galant die darunter liegende DĂ€mmung mit den Fassadenhaken und die Attika.

Die durch das Anheben entstandene fĂŒnfte Fassadenseite an der Unterseite des GebĂ€udes und auch die V-StĂŒtzen sind mit (abgehĂ€ngtem) weißem Aluminiumblech verkleidet, um die helle PrĂ€senz der Kita zu vervollstĂ€ndigen.

Das pneumatische Folienkissendach wurde dem Glasdach nicht nur wegen der WĂ€rmebestĂ€ndigkeit und seinem UV-Schutz vorgezogen, sondern auch weil diese leichte Membrankonstruktion, aufliegend auf ebenso leichten Aluminium-Rahmen, gesteuert durch einen Kompressor, sehr wetterbestĂ€ndig und schmutzabweisend ist. Durch diese Leichtigkeit und durch das Öffnen des Raumes in den Himmel ergibt sich ein idealer Spielbereich, der eine wunderbare Verbindung zum Außenbereich mit seinen alten hohen Platanen darstellt. Das vom Folienkissendach abperlende Regenwasser wird direkt ĂŒber die EntwĂ€sserungsrinne in das Fallrohr durch das gesamte GebĂ€ude bis zur „fĂŒnften Fassade“ gefĂŒhrt, wo es an Regentagen den Außenspielbereich in einen Wasserspielplatz verwandeln soll.


Nachhaltigkeit & Wirtschaftlichkeit

Stahlbau verbindet man in den meisten FĂ€llen mit Industie- und Hallenbau, in dem große Spannweiten erreicht werden mĂŒssen. Die kurze Planungs- und Bauzeit mit der flexiblen AusfĂŒhrung des Tragwerkes machen Stahl aber nicht nur in der Typologie des Hallenbaus fĂŒr Architekten zu einem interessanten Werkstoff. In dem Entwurf der Kita mĂŒssen keine großen Spannweiten ĂŒberbrĂŒckt werden, trotzdem kommt gerade dort die FlexibilitĂ€t des Werkstoffes Stahl dem Konzept zu Gute.

Durch die Entscheidungen das GebÀude anzuheben und somit den Eingriff in die Natur zu minimieren, um den Anwohnern einen Teil ihres Platzes wieder zu geben und ihnen zusÀtzlich eine neuen Anlaufpunkt durch die Mehrzweckhalle und die neugestaltete Parkanlagen zu geben, macht diesen Entwurf wirtschaftlich und nachhaltig sehr wertvoll.

Die Zweietagigkeit, das Anordnen der RĂ€ume zu einer Art Kubus, welcher durch einen Innenhof belichtet wird und daher eine sehr zurĂŒckhaltende Geste in der Fassadengestaltung einnimmt, das Anheben in die BĂ€ume, ermöglicht ein Volumen, dass sich perfekt in das U der alten Platanen einfĂŒgt und somit fast alle von ihnen erhĂ€lt. Der Platz erhĂ€lt folglich nicht nur eine neue Funktion und Gestalt, sondern wird auch zum Treff- und Mittelpunkt fĂŒr Jung und Alt im Hansaviertel.

Das Vierendeel-Stahlskelett macht diesen intensiv ĂŒberlegten pĂ€dagogischen Entwurf und die mit dem Anheben einhergehenden QualitĂ€ten ĂŒberhaupt erst möglich. Das GebĂ€ude kann sich zu den BĂ€umen erheben und versperrt weder die Sicht, noch Stört es das Auge. Die großen Querschnitte der StahltrĂ€ger mögen vorerst den Anschein von Unwirtschaftlichkeit erwecken, nĂ€her betrachtet geht mit ihnen aber der Gewinn an allen vorher genannten QualitĂ€ten einher. Das Skelett ermöglicht, trotz der vermeintlichen SchwerfĂ€lligkeit, die offene Raumgestaltung im Inneren und die Leichtigkeit des Erscheinungsbildes nach Außen.

Ein weiterer Vorteil ist die schnelle Errichtung, die mit dem Stahlskelett, welches prĂ€zise vorgefertigt angeliefert und Vorort verschraubt wird, einher geht. Lediglich das Fundament ist aus dem nassen Baustoff Beton und daher einer gewissen UnbestĂ€ndigkeit unterworfen, der Restliche Teil des GebĂ€udes beruft sich auf den Trockenbau, welcher mit standardisierten Montagemethoden eine schnelle Abwicklung finden kann. Das Austauschen von Bauteilen oder sogar der gesamte Abbau wĂŒrde durch die vorherig genannten Fakten und seiner RecyclingfĂ€higkeit auch keinerlei Probleme darstellen, der Platz wĂŒrde durch seine minimale Versieglung durch die Fundamente zudem wieder schnell zu seiner alten Form finden.

Schlagworte

Kita, Stahl, Skelettbau, Vierendeel, Trockenbau, Folienkissendach, Hansaviertel, MĂŒnster

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