Architekturobjekt 1 von 6.997

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Im Dialog

1180 Wien, Lacknergasse 98, Österreich

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Wien, Holzbau und Entwerfen, Florian Haring

Straßenperspektive - Im Dialog

© Pirmin Dietrich, Florian Haring, Benjamin Karg

Laubengang - Im Dialog

© Pirmin Dietrich, Florian Haring, Benjamin Karg

Dachterrasse - Im Dialog

© Pirmin Dietrich, Florian Haring, Benjamin Karg

Wohnraum - Im Dialog

© Pirmin Dietrich, Florian Haring, Benjamin Karg

Modell 1:20 - Im Dialog

© Paul Sebesta

Modell 1:20 Detail - Im Dialog

© Paul Sebesta

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Wien, Holzbau und Entwerfen, Florian Haring

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Lacknergasse 98, 1180 Wien, Österreich

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

02.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Holzskelettbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Das 1907 gebaute, zweigeschossige Gebäude des Architekten Jože Plečnik soll im Sinne der innerstädtischen Nachverdichtung aufgestockt und die Nutzung als Obdachlosenheim erweitert werden. Um die Fassadengestaltung und räumlichen Momente im Inneren des Bestandes zu wahren und zu stärken, und in der historisch geprägten Nachbarschaft keinen Bruch zu erzeugen, versteht sich unser Entwurf als sensibler und respektvoller Dialog mit dem Bestand, als ein behutsames Weiterbauen, das die vorhandenen Qualitäten aufnimmt und zeitgemäß interpretiert. Durch diese Haltung entsteht kein Bruch zwischen Alt und Neu, sondern eine kontinuierliche architektonische Entwicklung.
Der neue Baukörper orientiert sich in seinen Proportionen und seiner Maßstäblichkeit am bestehenden Gebäude. Höhe, Raster und Fassadenlogik werden aufgenommen, neu interpretiert und fortgeschrieben, während die bestehenden Oberlichter zu neuen Lichthöfen transformiert werden. Diese sorgen für natürliche Belichtung und Durchlüftung und schaffen damit neue räumliche Qualitäten im Inneren des Gebäudes. Auch in der Gestaltung der Fassade wird eine sensible, zugleich klare und logische Strategie verfolgt. Auf diese Weise bleibt die Ordnung der bestehenden Architektur ablesbar, während sich die neue Schicht als zeitgenössische Ergänzung einfügt. Es entsteht ein Dialog zwischen Alt und Neu.

Vom Tageszentrum im Tief- und Hochparterre bis zum Langzeitwohnen in der Aufstockung definiert auch das Nutzungskonzept Bestand und Erweiterung als funktionale Einheit. Basierend auf einem Peer-Programm des Fonds Soziales Wien werden ehemals obdachlose Menschen zu Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ausgebildet. Im Tageszentrum sollen diese Peers Kontakt zu aktuell obdachlosen Personen aufnehmen, Unterstützung anbieten und Perspektiven für einen Ausstieg aus der Obdachlosigkeit aufzeigen. Während der einjährigen Ausbildungsphase erhalten die angehenden Peers Wohnraum im Neubau, gleichzeitig wird im ersten Obergeschoss des Bestandes kurzfristiger Wohnraum für Bedürftige angeboten.

Um die Mittelgangerschließung des Bestandes als kommunikative Zone aufzunehmen und fortzuführen, gleichzeitig aber einen flexibleren Grundriss sowie die Möglichkeit für durchgesteckte Wohnräume zu schaffen, wird die Auftsockung über einen außenliegenden Laubengang erschloßen. Dieser fungiert nicht nur als Erschließungszone, sondern auch als Ort der Begegnung und des sozialen Austauschs. Vertikal verbunden werden die Geschoße über eine externe, skulptural ausgebildete Treppe, die als verbindendes Element zwischen Altbau und Erweiterung fungiert. Sie wirkt als architektonisches Bindeglied zwischen den beiden Baukörpern und ermöglicht die interne Bestandstreppe unberührt zu lassen und den Bestand sensibel aufzuwerten.

Das Gebäude soll auch mögliche zukünftige Transformationen erlauben. Das klare Raster der Skelettkonstruktion sowie die einfache Rückbaubarkeit ermöglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzungsformen. Neben klassischen Wohnformen können so auch Arbeitsräume, Seminarräume oder andere gemeinschaftliche Nutzungen entstehen. Diese Flexibilität wird ganzheitlich mitgeplant, Erschließung, Fassadengestaltung, Tragwerks- und Detailplanung sind darauf abgestimmt. Die Architektur reagiert damit auf mögliche zukünftige Veränderungen und schafft eine langfristig anpassungsfähige Gebäudestruktur.

Durch das behutsame Weiterbauen entsteht ein sensibler Dialog zwischen Alt und Neu. Der Bestand wird respektiert, ergänzt und neu interpretiert. Auf diese Weise bildet sich ein architektonisches Ganzes, in dem historische Substanz und zeitgenössische Erweiterung miteinander in Beziehung treten und eine gemeinsame, zukunftsfähige Struktur schaffen.

Beschreibung der Besonderheiten

Der bestehende Bau wird durch gezielte, vergleichsweise kleine Eingriffe strukturell und funktional aufgewertet. Dazu zählen unter anderem ein barrierefreier Zugang sowie eine klarere Organisation der Grundrisse. Diese Maßnahmen verbessern die Nutzbarkeit des Gebäudes, ohne dessen charakteristische Struktur zu verändern.
Um die Mittelgangerschließung des Bestandes als kommunikative Zone aufzunehmen und fortzuführen, gleichzeitig aber einen flexibleren Grundriss sowie die Möglichkeit für durchgesteckte Wohnräume zu schaffen, wird die Auftsockung über einen außenliegenden Laubengang erschloßen. Dieser fungiert nicht nur als Erschließungszone, sondern auch als Ort der Begegnung und des sozialen Austauschs.
Die beiden neuen Geschosse werden jeweils in drei Wohngemeinschaften gegliedert. Die Oberlichter aus dem darunterliegenden Gebäude werden als Lichthöfe weitergeführt und sorgen so für zusätzliche Belichtung und natürliche Durchlüftung. Entlang einer Funktionsachse werden Nasszellen sowie die Küchenbereiche angeordnet. Als Herzstück jeder Wohnung dient ein durchgesteckter Wohnraum. Um diesen herum sind vier gleich große Schlafzimmer angeordnet. Durch diese gleichwertige räumliche Organisation werden potenzielle Konfliktfelder reduziert und eine faire Nutzung innerhalb der Wohngemeinschaften ermöglicht.

Die Skelettkonstruktion der Aufstockung ermöglicht einen materialeffizienten Aufbau bei maximaler Nutzungsflexibilität. Um dieser gerecht zu werden und die Umnutzbarkeit des Gebäudes bei Bedarf zu garantieren, werden alle Stützen und Träger in zwei BSH-Elemente geteilt und mittels Mineralwolle akustisch voneinander entkoppelt. Dadurch können Trennwände in jeder Achse frei positioniert und direkt an die Tragstruktur angeschlossen werden. Ein einheitliches Knotendetail regelt dabei sämtliche Verbindungen innerhalb der Aufstockung. Ein durchgesteckter Stahlverbinder übernimmt die vertikale Lastabtragung, ohne Querkräfte in die Träger einzuleiten oder die Holzdübel zu beanspruchen. Auf diese Weise bleibt die Konstruktion materialgerecht demontierbar und rückbaubar.

Vor Ort wird zunächst das Dach des Bestandsgebäudes abgetragen. Anschließend werden Brettschichtholzträger aufgesetzt, auf denen großformatige CLT-Deckenplatten aufliegen, die für den Transport maximal dimensioniert sind. Das Skelett aus Stützen und Trägern wird geschossweise errichtet und bildet das tragende System des Neubaus. Das statische Raster des Bestands wird dabei konsequent weitergeführt und durch Decken- und Wandelemente ausgesteift. Vorgefertigte Fassadenelemente schließen die Gebäudehülle.
Auf die entkoppelten Träger werden CLT-Decken aufgelegt, darüber folgen eine Schüttung sowie der weitere Bodenaufbau. Auch dieser ist vollständig reversibel konzipiert. Anstelle eines konventionellen Estrichs werden Lehmplatten verwendet, in die eine Fußbodenheizung integriert ist. Diese Bauweise reduziert den Materialeinsatz, verbessert die Rückbaubarkeit und unterstützt zugleich ein angenehmes Raumklima.
Aus der konstruktiven Logik der einzelnen Bauteile heraus entwickelt sich schließlich auch das Fassadenbild. Die Fassade versteht sich als zeitgenössische Interpretation der bestehenden Architektur in Holzbauweise. Jedes Element folgt dabei sowohl einer funktionalen als auch einer gestalterischen Logik und trägt zur klaren architektonischen Ordnung des Gebäudes bei.

Nachhaltigkeit

Die Holzskelettkonstruktion der Aufstockung ermöglicht einen materialeffizienten Aufbau bei maximaler Nutzungsflexibilität. Ein einheitliches Knotendetail regelt dabei sämtliche Verbindungen innerhalb der Aufstockung. Ein durchgestecktes Stahlschwert übernimmt die vertikale Lastabtragung, ohne Querkräfte in die Träger einzuleiten oder die Stahldübel zu beanspruchen. Auf diese Weise bleibt die Konstruktion materialgerecht demontierbar und rückbaubar. Gleichzeitig wird durch die akustische Trennung aller tragenden Bauteile eine flexible Anordnung von schallisolierenden Wänden in jeder Achse ermöglicht, während die Konstruktion weiterhin sichtbar bleiben kann. Das Gebäude bleibt somit in Zukunft einfach umnutzbar und kann sich verändernden Bedürfnissen anpassen.

Auszeichnungen

proHolz Student Trophy 1. Preis

Schlagworte

Holzbau, Skelettbau, Aufstockung, Obdachlosenheim, Bauen im Bestand, Holztragwerk, Flexibilität, Wohnen

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