Architekturobjekte
Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
HUTGEMACHT
97070 Würzburg, Augustinerstraße 4
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: ToB.Studio
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: ToB.Studio
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Augustinerstraße 4, 97070 Würzburg, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
03.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Sonstige
Tragwerkskonstruktion
Sonstige
Anzahl der Vollgeschosse
1-geschossig
Raummaße und Flächen
Nutzfläche
52 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Ausgangspunkt des Entwurfs war die Frage, welche Qualität bereits im Bestand vorhanden ist – und wie sie wieder sichtbar gemacht werden kann. Hinter späteren Überformungen aus Laminatboden, kräftigen Wandfarben und dekorativen Beschichtungen lag eine hochwertige Ladeneinrichtung aus den 1950er- und 1960er-Jahren verborgen: raumfassende Einbaumöbel, sorgfältige Proportionen, präzise gearbeitete Details und seltene konkave Ecklösungen. Diese Substanz wurde nicht ersetzt, sondern zur Grundlage der Neugestaltung erhoben.
Der Entwurf folgt dem Prinzip des Freilegens, Ordnens und Weiterbauens. Die vorhandenen Regale wurden erhalten, überarbeitet und funktional weiterentwickelt. Durch das Schließen der unteren Regalfelder entstand eine umlaufende Sideboard-Ebene, die Stauraum schafft und den Verkaufsraum ruhig fasst. Möbel, Wände und Decke wurden in einem samtigen Hellgrau zusammengeführt. Die Farbe wirkt dabei nicht dekorativ, sondern klärend: Sie beruhigt den Raum, verbindet Alt und Neu und macht die Hüte zu den eigentlichen Protagonisten.
Ein neuer Boden aus Fischgrätparkett bringt Wärme und handwerkliche Wertigkeit in den Laden. Er zieht sich bis in die Werkstatt und verbindet Verkauf, Beratung und Herstellung zu einem zusammenhängenden Raumgefüge. Die ehemals eher verborgene Werkstatt wurde durch eine großzügige Öffnung sichtbar gemacht. Damit wird das Handwerk nicht hinter den Kulissen versteckt, sondern als wesentlicher Bestandteil des Ladens inszeniert.
Das räumliche Zentrum bildet ein neuer Tresen aus regionalem Muschelkalk. Als klar gesetzter, monolithischer Körper zoniert er den Raum, gibt Orientierung und inszeniert zugleich die historische Holzkasse. Ergänzt wird das Konzept durch wiederverwendete und weitergedachte Details: die erhaltenen Kugelleuchten, ein antikes Sideboard, filigrane Huthalter in Rosa und eine kleine Sitzecke, die den Laden zum Salon werden lässt.
HUTGEMACHT zeigt, wie aus einem kleinen Ladenumbau ein präzises Beispiel für nachhaltige Transformation werden kann. Nicht der vollständige Austausch, sondern das genaue Hinsehen bestimmt den Entwurf. Bestehendes wird bewahrt, umgebaut, neu gefasst und atmosphärisch gestärkt. So entsteht ein zeitloser Verkaufs- und Arbeitsraum – Bühne für ein besonderes Handwerk und Ausdruck einer neuen, aber tief im Bestand verankerten Ladenidentität.
Beschreibung der Besonderheiten
Ein zentraler Eingriff ist die Weiterentwicklung der bestehenden Einbaumöbel. Die raumhohen Regale bleiben als identitätsstiftende Struktur erhalten, werden jedoch funktional neu gelesen: Die unteren Felder wurden geschlossen und dienen nun als umlaufender Stauraum. Dadurch verschwindet Alltägliches aus dem Blickfeld, während die oberen Regalebenen als ruhige Bühne für die Hüte wirken. Präsentation und Lagerung werden in einem einzigen, aus dem Bestand entwickelten Möbelprinzip gelöst.
Ebenso wesentlich ist die Öffnung der Werkstatt zum Verkaufsraum. Das Hutmacherhandwerk wird dadurch sichtbar und Teil des Kundenerlebnisses. Der Weg vom Schauen über das Anprobieren bis zur Beratung und Herstellung wird räumlich nachvollziehbar. Die Kundschaft betritt keinen reinen Verkaufsraum, sondern einen Ort, an dem Entwurf, Reparatur, Anpassung und Fertigung präsent sind.
Der Muschelkalktresen übernimmt mehrere Funktionen zugleich: Er bildet den Anlaufpunkt, zoniert den Raum, schafft Distanz und Nähe in der Beratung und trägt die historische Kasse als bewusst inszeniertes Erinnerungsstück. Zusammen mit der Sitzecke entsteht eine salonartige Atmosphäre, die längere Aufenthalte, Gespräche und Anproben ermöglicht.
Nachhaltigkeit entsteht hier nicht durch technische Zusatzmaßnahmen, sondern durch intelligente Bestandstransformation: Erhalt statt Ersatz, Umbau statt Neubau, Wiederverwendung prägender Bauteile und präzise Eingriffe mit hoher räumlicher Wirkung. Das Projekt zeigt, dass funktionale Verbesserung, Kreislaufdenken und Atmosphäre gerade im kleinen Maßstab sehr unmittelbar zusammenfinden können.
Auszeichnungen
Euro Shop Retail Design Award, 2025 - nominiert als eines von 12 Projekten in der Kategorie „Fashion“
AIT, Ausgabe 01I2026
md Magazin, Juni 2026
interior I fashion magazine, Ausgabe 6I2025
Schlagworte
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
3
Das Objekt im Internet
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