Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


HUTGEMACHT

97070 Würzburg, Augustinerstraße 4

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: ToB.Studio

Aus „Der Hutladen“ wird „HUTGEMACHT“: ein Weitererzählen der Geschichte, - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Bestehendes bewahren und behutsam in die Zukunft führen. - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Das Zentrum bildet ein neuer Tresen aus Muschelkalk – regionaler Stein. - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Kein aufsehenerregender Umbau, sondern eine feine Neujustierung - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Handwerk ins Blickfeld rücken - Öffnung der Werkstatt - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Ein Ort, an dem die Ware wirkt: Das reduzierte Farb- und Materialkonzept verleiht dem Bestand neue Wirkung. - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Die Einrichtung des Ladens stammt aus den 1950er Jahren. Ihre Qualität bleibt spürbar. - HUTGEMACHT

© Tobias Ruppert

Die Vintage-Kasse erhält – nun hochwertig inszeniert – eine neue Strahlkraft. - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Vorher: Visuelle Reize überlagern die Qualität des Bestandsmöbels. - HUTGEMACHT

© Tobias Ruppert

Was vorher visuell konkurrierte, wirkt nun kuratiert“ - HUTGEMACHT

© benjamin brueckner

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: ToB.Studio

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Augustinerstraße 4, 97070 Würzburg, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Umbau

Fertigstellungstermin

03.2025

Zeichnungen und Unterlagen

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Architekt/Planer

ToB.Studio

Franziskanergasse 2a

97070 Würzburg

Deutschland

Tel. 017645572476

hallo@tob.studio

Bauleistung: Tischler

minaskeil - Schreiner und Drechselarbeiten

Industriestraße 22a

97437 Hassfurt

Deutschland

Tel. 09521 610046

info@minaskeil.de

Bauleistung: Steinmetz

Natursteine Dittmeier GmbH

Schwarze Brücke 4

97737 Wernfeld

Deutschland

Tel. +49 (0) 9351 97260

info@dittmeier-natursteine.de

Verwendete Produkte

SLV

Leuchten

FIX-IT

Graphisoft

Software

Archicad

Ikea

Sessel

EKENÄSET

Gebäudedaten

Bauweise

Sonstige

Tragwerkskonstruktion

Sonstige

Anzahl der Vollgeschosse

1-geschossig

Raummaße und Flächen

Nutzfläche

52 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Mitten in der Würzburger Altstadt wurde ein traditionsreicher Hutladen in die Gegenwart überführt. Über Jahrzehnte hatte „Der Hutladen“ die Augustinerstraße geprägt; mit der Übernahme durch Laura Zieger wurde daraus HUTGEMACHT – ein Ort, der nicht neu erfunden, sondern behutsam weitergeschrieben wurde. Die ehemalige Inhaberin und Meisterin bleibt Teil des Teams, das Handwerk bleibt am Ort, die Geschichte wird fortgesetzt.

Ausgangspunkt des Entwurfs war die Frage, welche Qualität bereits im Bestand vorhanden ist – und wie sie wieder sichtbar gemacht werden kann. Hinter späteren Überformungen aus Laminatboden, kräftigen Wandfarben und dekorativen Beschichtungen lag eine hochwertige Ladeneinrichtung aus den 1950er- und 1960er-Jahren verborgen:​ raumfassende Einbaumöbel, sorgfältige Proportionen, präzise gearbeitete Details und seltene konkave Ecklösungen. Diese Substanz wurde nicht ersetzt, sondern zur Grundlage der Neugestaltung erhoben.
Der Entwurf folgt dem Prinzip des Freilegens, Ordnens und Weiterbauens. Die vorhandenen Regale wurden erhalten, überarbeitet und funktional weiterentwickelt. Durch das Schließen der unteren Regalfelder entstand eine umlaufende Sideboard-Ebene, die Stauraum schafft und den Verkaufsraum ruhig fasst. Möbel, Wände und Decke wurden in einem samtigen Hellgrau zusammengeführt. Die Farbe wirkt dabei nicht dekorativ, sondern klärend:​ Sie beruhigt den Raum, verbindet Alt und Neu und macht die Hüte zu den eigentlichen Protagonisten.
Ein neuer Boden aus Fischgrätparkett bringt Wärme und handwerkliche Wertigkeit in den Laden. Er zieht sich bis in die Werkstatt und verbindet Verkauf, Beratung und Herstellung zu einem zusammenhängenden Raumgefüge. Die ehemals eher verborgene Werkstatt wurde durch eine großzügige Öffnung sichtbar gemacht. Damit wird das Handwerk nicht hinter den Kulissen versteckt, sondern als wesentlicher Bestandteil des Ladens inszeniert.
Das räumliche Zentrum bildet ein neuer Tresen aus regionalem Muschelkalk. Als klar gesetzter, monolithischer Körper zoniert er den Raum, gibt Orientierung und inszeniert zugleich die historische Holzkasse. Ergänzt wird das Konzept durch wiederverwendete und weitergedachte Details:​ die erhaltenen Kugelleuchten, ein antikes Sideboard, filigrane Huthalter in Rosa und eine kleine Sitzecke, die den Laden zum Salon werden lässt.

HUTGEMACHT zeigt, wie aus einem kleinen Ladenumbau ein präzises Beispiel für nachhaltige Transformation werden kann. Nicht der vollständige Austausch, sondern das genaue Hinsehen bestimmt den Entwurf. Bestehendes wird bewahrt, umgebaut, neu gefasst und atmosphärisch gestärkt. So entsteht ein zeitloser Verkaufs- und Arbeitsraum – Bühne für ein besonderes Handwerk und Ausdruck einer neuen, aber tief im Bestand verankerten Ladenidentität.

Beschreibung der Besonderheiten

Die besondere Qualität des Projekts liegt in der funktionalen und atmosphärischen Neuordnung eines sehr kleinen Bestandsraums. Auf nur rund 52 m² werden Verkauf, Beratung, Lagerung, Präsentation und handwerkliche Herstellung so miteinander verbunden, dass sie nicht konkurrieren, sondern sich gegenseitig stärken.
Ein zentraler Eingriff ist die Weiterentwicklung der bestehenden Einbaumöbel. Die raumhohen Regale bleiben als identitätsstiftende Struktur erhalten, werden jedoch funktional neu gelesen:​ Die unteren Felder wurden geschlossen und dienen nun als umlaufender Stauraum. Dadurch verschwindet Alltägliches aus dem Blickfeld, während die oberen Regalebenen als ruhige Bühne für die Hüte wirken. Präsentation und Lagerung werden in einem einzigen, aus dem Bestand entwickelten Möbelprinzip gelöst.
Ebenso wesentlich ist die Öffnung der Werkstatt zum Verkaufsraum. Das Hutmacherhandwerk wird dadurch sichtbar und Teil des Kundenerlebnisses. Der Weg vom Schauen über das Anprobieren bis zur Beratung und Herstellung wird räumlich nachvollziehbar. Die Kundschaft betritt keinen reinen Verkaufsraum, sondern einen Ort, an dem Entwurf, Reparatur, Anpassung und Fertigung präsent sind.
Der Muschelkalktresen übernimmt mehrere Funktionen zugleich:​ Er bildet den Anlaufpunkt, zoniert den Raum, schafft Distanz und Nähe in der Beratung und trägt die historische Kasse als bewusst inszeniertes Erinnerungsstück. Zusammen mit der Sitzecke entsteht eine salonartige Atmosphäre, die längere Aufenthalte, Gespräche und Anproben ermöglicht.
Nachhaltigkeit entsteht hier nicht durch technische Zusatzmaßnahmen, sondern durch intelligente Bestandstransformation:​ Erhalt statt Ersatz, Umbau statt Neubau, Wiederverwendung prägender Bauteile und präzise Eingriffe mit hoher räumlicher Wirkung. Das Projekt zeigt, dass funktionale Verbesserung, Kreislaufdenken und Atmosphäre gerade im kleinen Maßstab sehr unmittelbar zusammenfinden können.

Auszeichnungen

Euro Shop Retail Design Award, 2025 - nominiert als eines von 12 Projekten in der Kategorie „Fashion“

AIT, Ausgabe 01I2026

md Magazin, Juni 2026

interior I fashion magazine, Ausgabe 6I2025

Schlagworte

Bestandstransformation, Weiterbauen, Freilegen, Bestandserhalt, Wiederverwendung, sichtbares Handwerk, Ladenumbau, Innenarchitektur, Retail Design, Raumatmosphäre

Objektdetails

Gebäudespezifische Merkmale

Anzahl Arbeitsplätze

3

Das Objekt im Internet

 

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