Architekturobjekte
Ein Referenzprojekt von CAPAROL Farben Lacke Bautenschutz
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
55756 Herrstein, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der BaumaĂnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
02.2023
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Beschreibung
Objektbeschreibung
âDen damaligen Zustand der FachwerkhĂ€user in Herrstein wĂŒrde ich als âvon-bisâ bezeichnenâ, erzĂ€hlt Malermeister Ingo Nolde vom MalergeschĂ€ft SchĂŒller GmbH. âEinige GebĂ€ude brauchten einfach einen Ăberholungsanstrich. Bei anderen mussten wir ganze Gefache erneuern. Auch Feuchtigkeit war ein groĂes Thema.â Seit April 2021 arbeitet Nolde mit seinem Team von Malerinnen und Malern an der Rettung von insgesamt 31 historischen GebĂ€uden in der HunsrĂŒckgemeinde. Eine echte Mammutaufgabe. Um das Mega-Projekt zu stemmen, hat die Firma SchĂŒller mit der Pfeiffer KG deshalb auch einen Nachunternehmer zur UnterstĂŒtzung ins Boot geholt, die Betriebe teilen sich die Arbeiten auf. Voraussichtlich im SpĂ€tsommer 2023 wird die Rettung des historischen Ortskerns abgeschlossen sein.
Vorsicht: denkmalgeschĂŒtzte Zone!
Umgesetzt wurden die Arbeiten mit den Produkten der Histolith-Serie von Caparol. Histolith ist ein Komplettsystem fĂŒr die Renovierung und Restaurierung von FachwerkgebĂ€uden und bietet von Leinölfarben ĂŒber Kalkputze bis hin zu Innen- und AuĂenfarben alles, was fĂŒr eine fachmĂ€nnische Restaurierung von solchen historischen HĂ€usern gebraucht wird.
âDer Ortskern von Herrstein ist eine denkmalgeschĂŒtzte Zone, weswegen unser mineralisches Histolith-Produktportfolio die richtige Wahl warâ, erlĂ€utert Walter Schimmel, der das Projekt fĂŒr Caparol betreut. âDie Produkte mĂŒssen natĂŒrlich auf der einen Seite die Bausubstanz erhalten und schĂŒtzen. Auf der anderen Seite sollen sie aber auch den heutigen Standards in der Verarbeitung entsprechen. Diesen Spagat schaffen wir mit Histolith.â Circa 6.000 Quadratmeter FassadenflĂ€che und etwa 4.000 Quadratmeter Holzwerk werden bis Ende des Projekts mit Caparol-Produkten bearbeitet worden sein.
Als Azubi direkt ins Mammutprojekt
Mit auf der Baustelle ist immer wieder auch Paul Nolde, der bei der Firma SchĂŒller seit August 2021 seine Ausbildung zum Maler macht. Zu Beginn seiner Ausbildung hat er in Herrstein vor allem Schleif- oder Abbrucharbeiten ĂŒbernommen, inzwischen ĂŒbt er sich immer stĂ€rker aber auch in Facharbeiter-Aufgaben: Gefache streichen, Holz lasieren und so weiter. âWir machen mit der Firma viele Altbauten, aber in Herrstein kann ich das noch mal richtig vertiefenâ, erzĂ€hlt er aus seinem Azubi-Alltag. âWas mir hier zum Beispiel richtig SpaĂ macht, sind die filigranen Malerarbeiten, wenn ich zum Beispiel die feinen Linien an den Fachwerkgestellen entlangziehe.â Das macht Nolde â verstĂ€ndlicherweise â mehr SpaĂ als etwa irgendwo alte Tapeten abzuziehen.
Beeindruckt hat ihn auch die Freilegung des Fachwerks an einem Haus, das in den Sechzigerjahren komplett mit Putz ĂŒberzogen worden war. Ăberhaupt ist der Azubi Feuer und Flamme fĂŒr seine Berufswahl: âIch wollte nach dem Schulabschluss gleich etwas Produktives machen, am Ende des Tages das Ergebnis meiner Arbeit sehen. Ich finde es cool, aus etwas Altem und Kaputtem etwas richtig Schönes zu machen.â
Rettungsaktion kam keine Minute zu frĂŒh
Und kaputt war in Herrstein tatsĂ€chlich einiges. WĂ€hrend der Arbeiten seien immer wieder SchĂ€den zutage getreten, die in der Planungsphase noch gar nicht sichtbar waren, erzĂ€hlt die verantwortliche Architektin Heidi Ritter. âWĂ€hrend der Reinigung alter Balken fiel auf, dass bei frĂŒheren Sanierungsarbeiten die Holzrisse mit falschen Materialien ausgespritzt wurden. Das mangelhafte Material hat dann im Laufe der Jahre die Feuchtigkeit angezogen und das GebĂ€lk zerstört. Eines der GebĂ€ude war fast einsturzgefĂ€hrdet. Insofern kam die Initiative zur Rettung dieser GebĂ€ude keine Minute zu frĂŒh.â
AngestoĂen hat das Projekt Wolfgang Hey, ehemaliger BĂŒrgermeister von Herrstein und Landrat a.D. des Kreises Birkenfeld. Schon Mitte der 1970er hatte er ein umfangreiches Restaurierungsprojekt in Herrstein initiiert â nun war es erneut an der Zeit, aktiv zu werden. Hey machte NĂ€gel mit Köpfen: Mit Freunden grĂŒndete er den âFörderverein Historischer Ortskern Herrsteinâ und holte die Ortsgemeinde mit ins Boot. Als Organisator ĂŒbernahm er das gesamte Management des Projekts, kĂŒmmerte sich um Verhandlungen mit HauseigentĂŒmern, bei ihm liefen die FĂ€den zur Zuschussbeschaffung und Finanzierung zusammen, die Absprechen mit Denkmalpflege, Gemeinde und so weiter.
Architektin Ritter stieg mit in das Projekt ein, erstellte gemeinsam mit Caparol-Berater Walter Schimmel ein riesiges Leistungsverzeichnis. Mehr als 100 Seiten stark war das Dokument am Ende. Mit ihrer KostenschĂ€tzung schaffte sie trotz vieler UnwĂ€gbarkeiten in solch einem GroĂprojekt eine Punktlandung. Finanziert wird das Projekt teils durch das LEADER-Programm von EU und Rheinland-Pfalz zur Förderung lĂ€ndlicher Regionen, teils durch die Ortsgemeinde selbst sowie durch Spenden.
Der Ortskern glÀnzt, die Einwohnerschaft freut sich
Schon vor Abschluss der Arbeiten wird deutlich, wie sehr der Ortskern Herrsteins von der aufwĂ€ndigen Rettungsaktion profitiert. âDie GebĂ€ude leuchten und glĂ€nzen wieder, ohne dass der historische Ortskern plötzlich völlig auf links gedreht wirktâ, freut sich Architektin Ritter â und Malermeister Nolde ergĂ€nzt: âDie Herrsteinerinnen und Herrsteiner reagieren sehr positiv, das bekommen wir vor Ort immer wieder mit. Alle sind begeistert, wie sich das Ortsbild zum Positiven verĂ€ndert. Das ist ein ganz besonderes Projekt fĂŒr alle Beteiligten.â
Text: Katharina Mandlinger
Objekte in der Umgebung
Ăhnliche Objekte
