Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Farben im Beton - wie das Collini wieder lebt

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Berliner Hochschule für Technik (BHT), Architektur, Milena Hübner

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Berliner Hochschule für Technik (BHT), Architektur, Milena Hübner

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

68161 Mannheim, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

11.2025

Gebäudedaten

Bauweise

Holzrahmenbau

Tragwerkskonstruktion

Stahlbeton

Anzahl der Vollgeschosse

11- bis 20-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Großstrukturen der Nachkriegsmoderne stehen heute erneut im Zentrum urbaner Debatten. Ursprünglich als Vision einer dichten, durchmischten und sozialen Stadt konzipiert, wirken sie heute oft als ambivalente Monumente:​ massiv, introvertiert, städtebaulich herausfordernd und zugleich reich an ungenutztem Potenzial. Angesichts wachsender Wohnraumbedarfe und der Forderung, Stadt fortzuschreiben, statt abzureißen, stellt sich die Frage nach ihrer Zukunft. Wie lassen sich diese Baukörper transformieren, ohne ihre Identität zu verlieren? Wie können sie wieder zu einem Gebäude werden, welches Stadtraum definiert, Adresse schafft und Teil eines lebendigen urbanen Gefüges ist? Das Collini-Center in Mannheim verdichtet diese Fragestellung exemplarisch. Aus den Idealen der 1970er-Jahre und dem Brutalismus hervorgegangen, verband es Wohnen, Arbeiten und Freizeit zu einer vertikalen Stadtvision. Die klare tektonische Gliederung, das Dreiecksraster mit pilzförmigen Stahlbetonstützen und die repetitive Fassadenstruktur prägen bis heute seine Identität. Während der Wohnturm weiterhin bewohnt und geschätzt wird, stehen der ehemalige Büroturm (ehemaliges Technisches Rathaus) und der Verbindungsbau (ehemaliges Kaufhaus) leer. Als großmaßstäblicher Solitär trennt das Ensemble derzeit Innenstadt und Neckarufer, eröffnet gleichzeitig aber durch seine markante Lage, die robuste Bausubstanz und die Verbindung über den Collini-Steg enormes Potenzial für eine stadträumliche Neuordnung.

Der Entwurf setzt auf Transformation statt Abriss. Der Wohnturm bleibt unberührt, während ein selektiver Rückbau den übrigen Bestand öffnet, neue Vernetzungen schafft und zugleich seine Identität bewahrt. Der Verbindungsbau entwickelt sich zu einer räumlichen Brücke zwischen Stadt und Fluss, ein öffentlicher Ort für Bewohner*innen, Nachbar*innen und Besucher*innen. Das erste Obergeschoss wird bis auf das Traggerüst zurückgebaut und als gemeinschaftliche Dachlandschaft für Sport, Freizeit und Aufenthalt gestaltet. Über den neu integrierten Collini-Steg ist diese Ebene direkt mit dem gegenüberliegenden Neckarufer und dem übergeordneten Wegenetz verbunden. Außentreppen und die Bestandsgalerie verknüpfen Erdgeschoss und Straßenniveau mit der Dachlandschaft und schaffen eine vertikal durchlässige, städtisch nutzbare Struktur. Auch das Erdgeschoss wird geöffnet und als öffentlicher Sockel aktiviert, der Begegnung, Lernen und gemeinschaftliche Nutzung mit dem Außenraum verzahnt. Die bislang harte Gebäudekante löst sich auf und vermittelt zwischen urbanem Gefüge und Neckarufer.

Der ehemalige Büroturm wird zu studentischem Wohnraum umgestaltet und bildet das soziale Rückgrat des Ensembles. Unterschiedliche Wohnformen, von Clusterwohnungen bis zu temporärem Wohnen, reagieren flexibel auf verschiedene Lebenssituationen. Die Stahlbeton-Skelettstruktur bleibt erhalten; die neue Grundrissstruktur orientiert sich an ihr und entwickelt die konstruktive Logik weiter. Die pilzförmigen Bestandsstützen treten als freistehende räumliche Elemente hervor und prägen Innen- wie Außenräume. Die zur Stadt orientierte Laubengangerschließung dient als offene Gemeinschaftsfläche und ermöglicht Blickbeziehungen zum Verbindungsbau. Die angrenzenden Wohnungen werden zunehmend privat:​ abgestufte Übergänge vermitteln zwischen gemeinschaftlichen Zonen und Rückzugsbereichen. Die gemeinschaftlichen Wohnbereiche werden durch eingestellte Sanitärkerne zoniert und öffnen sich zum Laubengang, während die privaten Wohnräume zum Neckar orientiert sind und über Balkone oder Wintergärten verfügen. Am Laubengang angrenzend entstehen zusätzlich gemeinsam nutzbare Räume, ein AStA-Café, buchbare Ateliers und großzügige Dachterrassen fördern den Austausch und stärken die Nachbarschaft.

Die neue Fassade führt den Dialog zwischen Bestand und Transformation konsequent fort. Sie ordnet den Baukörper neu, differenziert Maßstab und Volumen und erzeugt durch eine zurückgesetzte Hülle mit Vor- und Rücksprüngen eine Tiefenstaffelung. Die typischen Betonbänder mit weißen Mosaikfliesen bleiben erhalten, Pilzstützen prägen die neue Fassade, gliedern Vor- und Rücksprünge und machen die konstruktive Logik von außen ablesbar. Sichtbeton wird bewahrt, Fliesen, Sonnenschutz und Fassadenstreben interpretieren den Bestand. Letztere dienen als Rankgerüst für Fassadenbegrünung und zur Integration von Solarpaneelen. Orange, Gelb und Blau, die Farben des Collini-Bestands, markieren Eingänge und Nutzungen und stärken Adressbildung sowie Orientierung. In Kombination mit Polycarbonat, weißem Wellblech, Vorhängen und orangefarbenen Geländern entsteht eine vielschichtige Materialität, die den Brutalismus respektiert und zugleich Licht, Farbe und Lebendigkeit in den Bau einwebt. Die Fassade wird so zum vermittelnden Element zwischen Haus und Stadt, zum sichtbaren Gesicht, das den Stadtraum aktiv prägt. Alt und Neu treten in einen klaren architektonischen Dialog. Aus Beton wird wieder Stadt und aus dem Collini-Center ein lebendiger, farbiger Resonanzkörper Mannheims.

Auszeichnungen

Anerkennung wa award 2026 – KONSTRUKTIVE RÄUME

Schlagworte

Großstrukturen, Bauen im Bestand, Weiterbauen, Leerstand, Unutzung, Nachkriegsmoderne, Brutalismus, studentisches Wohnen, Dachpark, Nachhaltig, Mischnutzung, Masterthesis

Objektdetails

Das Objekt im Internet

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