Drei Giebel - Scheune Baumschulen Vogg
74632 Neuenstein, Haller Strasse 15
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Weyell Berner Architekten GmbH
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Haller Strasse 15, 74632 Neuenstein, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
05.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzskelettbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Kosten
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
800.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Die 1940 erbaute Scheune steht in prominenter Lage am Haupteingang zur Baumschule. Das bisher als Lagerraum verwendete Bauwerk soll umgenutzt und als Verkaufsraum mit Ausstellungsfläche, sowie für die Verwaltung des Betriebs verwendet werden. Unser Ziel war es, den Charakter des Bestandes zu stärken und einen Ort zu schaffen, der einladend wirkt und neugierig auf das Innenleben macht. Ein Raum, der besucht, erkundet, in dem ausgestellt, beraten, geplant, gearbeitet und verkauft wird.
Drei Giebel
Wie können die Qualitäten der Scheune, bestehend aus Mauerwerk, lokalem Sandstein, Fachwerk und charakteristischer Holzkonstruktion herausgearbeitet werden, ohne grosse Änderungen an den vorhandenen Strukturen vornehmen zu müssen? Das ‘Haus im Haus‘ Konzept nutzt die bestehende Scheune als Witterungsschutz. Der Innenraum wird von Einbauten befreit und präsentiert sich nun als grosses Raumvolumen. Die neuen Nutzungen werden geschickt in das Stabwerk eingeflochten, um die Struktur als Ganzes zu erhalten. Zwei bauliche Elemente ergänzen die Scheune: das Bürobrückenhaus mit Sanitärbereich und Kasse sowie die vorgehängte Giebelfassade mit Vordach. Bestehende Öffnungen im Gebäude werden reaktiviert, um das Innere in die alltäglichen Abläufe der Gartenausstellung, der Besuchenden und der Mitarbeitenden zu integrieren. Da die Scheune 1940 nach einem Brand auf bestehenden Fundamenten und Mauerresten errichtet wurde, ist die Form asymmetrisch. Der eingesetzte Baukörper und das Vordach nehmen Analogien zur Dachform der Scheune auf. So entsteht ein Dialog zwischen den drei zueinander versetzten Giebeln: Scheune, Vordach und Einbau.
Inspiration
Im Entwurfsprozess haben wir uns mit den Arbeiten ‘Woven to last’ der finnischen Textildesignerin Johanna Gullichsen auseinandergesetzt. Sie strebt eine zeitlose Gestaltung an, verbindet dabei traditionelle Techniken mit experimentellen und verwendet Naturmaterialien. Ähnlich der Arbeit an einem Webstuhl verwebten wir im Projekt neue Funktionen, Räume und letztendlich vorgefertigte Bauteile mit der bestehenden Tragstruktur der Scheune, ohne diese zu zerstören. In einem Arbeitsmodell im Massstab 1:33 konnten wir das Einflechten neuer Bauteile massstabsgetreu prüfen. Wir verwendeten das Modell anschliessend auch, um verschiedene Lichtsituationen bei Tag und in der einsetzenden Dunkelheit zu testen und um unsere Konzeptideen mit der Bauherrschaft zu diskutieren.
Raumsequenz
Durch die Neu-Anordnung der Funktionen ist das Innere der Scheune jetzt in den Arbeits- und Verkaufsprozess integriert. Beim Durchlaufen der Scheune überlagern sich enge und weite Räume sowie lichtdurchflutete und schattige Bereiche, wodurch jeweils unterschiedliche Raumqualitäten entstehen. An der Südfassade zum Haupteingang werden Felder im Fachwerk geöffnet, um Tageslicht ins Innere zu lassen. Der Lichteinfall verstärkt die Raumwahrnehmung, da nun der gesamte Dachraum ausgeleuchtet wird. Bei Einbruch der Dunkelheit tritt die innere Struktur nach aussen und wird zum markanten Leuchtkörper für Passant*innen. In der charakteristischen, grossen Dachfläche kann auf zusätzliche Öffnungen verzichtet werden.
Minimalistische Umbau Strategie
Die Hauptherausforderung des Projekts war die Frage wie man die historische Scheune in einen multifunktionalen Raum umbaut und gleichzeitig die Qualität des Bestands erhält und herausarbeitet. Um ressourcenschonend und kosteneffizient zu bauen haben wir folgende Strategien angewandt:
1. Minimaler Eingriff: Die Scheune wird erhalten und von Einbauten befreit. So wird das Raum-Volumen und die Tragwerkstruktur wieder erlebbar und erzeugt mit den Einbauten einen einzigartigen Charakter.
2. Haus im Haus: Das Konzept nutzt die bestehende Scheune als Witterungsschutz und thermische Pufferzone.
3. Tageslichtnutzung: Die Öffnungen im Fachwerk lassen Tageslicht ins Innere und betonen das Raumvolumen des Dachraums. In der Dämmerung wird die innere Struktur und von aussen sichtbar.
4. Bauliche Ergänzungen: Lediglich zwei bauliche Elemente - das Bürobrückenhaus und die abgehängte Fassade mit Vordach - ergänzen die Scheune. Die neuen Bauteile integrieren sich in die leicht asymmetrische bestehende Form. Mit dem Zusammenspiel von Scheune, Vordach und Brückenhaus entstehen verschieden nutzbare Räume und Zwischenräume.
5. Nachhaltigkeit und Effizienz: Die Reduktion beheizter Räume auf ein Minimum stellt eine energieeffiziente und ressourcenschonende Lösung dar, die den Bestand wertschätzt und gezielt auf die Bedürfnisse der Bauherrschaft eingeht.
6. Materialisierung: Bestehende Materialien wie Sandstein, Mauerwerk und Fachwerk prägen weiterhin das Innere, während neue Elemente fast ausschliesslich aus Holz gefertigt werden.
7. Kommunikation: Das erfolgreiche Weiterbauen bestehender Strukturen gelingt nur durch eine intensive, interdisziplinäre Zusammenarbeit von allen Planenden und Unternehmern.
Das Projekt sucht innovative, einfache und nachhaltige Lösungen. Die Scheune wird mit minimalem Eingriff umgestaltet mit dem Ziel funktionale und ästhetisch ansprechende Räume im Zusammenspiel mit dem Bestand entstehen zu lassen.
Fachwerk
Der Vorplatz zur Scheune soll durch ein freitragendes, stützenloses Vordach flexibel nutzbar sein. Wechselnde Pflanzenausstellungen, Pflanzerde und Zubehör wird hier saisonal mit schweren Geräten bewegt. Das Tragwerk ist aus vertikalen V-Holzstreben konzipiert, dadurch entsteht Leichtigkeit und die dahinterliegende Fassade der Scheune bleibt sichtbar. Die Holzkonstruktion der Scheune wird ergänzt, um die Kräfte der freitragenden Südfassade im Inneren abzuleiten. Neue Bauteile sind auch hier ausschliesslich in Holz und ergänzen in der Logik des Bestandes bestehende Stützen und Balken.
Plusenergie-Scheune
Der Gebäudeunterhalt wird durch folgende Strategien CO2 neutral gestaltet:
1. Graue Energie: Der Bestand wird erhalten und dadurch minimaler Abfall erzeugt.
2. Minimaler CO2 Ausstoss: Nur die Bürofläche, Kassen-, Besprechungsraum und Sanitärbereiche werden via Luft-Wärmepumpe mit Fussbodenheizung beheizt.
3. Eine PV-Anlage mit Batterie-Zwischenspeicher liefert die dazu nötige Energie, Überschüsse werden direkt in Netz eingespeist.
4. Durch die Reduktion der beheizten Fläche und der bestehenden Scheune als thermische Pufferzone, werden im Jahresmittel 100% des benötigten Bedarfs (Heizung, Licht, Geräte) mit erneuerbarer Energie gedeckt. In den Sommermonaten deckt die Scheune den Energiebedarf des ganzen Betriebs.
5. Das Regenwasser der Dachflächen wird in zwei Zisternen gesammelt und für die Bewässerung der umliegenden Pflanzenzucht genutzt.
Weiterbauen
Die vorhandenen Materialen Sandstein, Mauerwerk und sichtbares Holzfachwerk prägen weiterhin den Innen- und Aussenraum. Neue raumbildende und statisch notwendige Bauteile sind, wie die bestehende Struktur, ausschliesslich aus Holz. Vertikale und horizontale Fachwerkträger nehmen die Lasten der freitragenden Fassade im Inneren auf und ergänzen die bestehende Struktur. Alle tragenden und nicht-tragenden Bauteile sind nach den Grundsätzen der Circular Economy sichtbar gefügt, rückbaubar und recyclebar. Die bestehenden Sandstein Böden werden ergänzt mit Naturstein und kleinformatigen Fliessen. Ein historisches Sortenverzeichnis der Baumschule publiziert im Jahr 1927 hat inspiriert zu abstrakten Pixel-Motiven im Bodenbelag des Besprechungsraumes.
Inklusive Planung
Die Scheune ist ebenerdig und durch automatische Schiebetüren für alle zugänglich gestaltet. Der multifunktionale Raum ermöglicht verschiedene Aktivitäten, von Ausstellungen bis hin zu Beratungen, Verwaltungsarbeiten oder Feierlichkeiten und sorgt so für eine einladende Umgebung für alle.
Nachhaltigkeit
Re-use: Wiederverwendung Bauteile Holz, Stein
Energieeffizienz: Minimal beheizte Räume, Scheune als thermische Pufferzone
Systemtrennung: Offene Installationen
Rezyklierbarkeit: Trennung Beuteile, keine Klebeverbindungen
Auszeichnungen
IDA Design Award 2024 in Gold, Kategorie Adaptive Re-use, Commercial renovation, 1/25
Swiss Architects, Auszeichnung als 'Bau des Jahres 2024, 1/25
Bundespreis 'Umwelt & Bauen', Kategorie Nichtwohngebäude, Finalist, 12/24
Dezeen Awards 24, Longlisted, 10/24
Swiss Architects, Bau der Woche, 31/24
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Strom
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
4
Das Objekt im Internet
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