Architekturobjekt 1 von 3.616

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Das Haus als Organismus

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Hannah Cerbe

Die Stadt als Organismus - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Stärkung urbaner Ökosysteme: Gebäude und Natur in Wechselwirkung - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Organismus: Gleichwertigkeit von Maßstäben - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Das Quartier als Organismus - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Entsiegelung und Feuchtbiotop unter aufgehängtem Wohnungsbau - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Modell: Hängende Zugkonstruktion - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Das Flurstück als Organismus - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Eingangssituation: Orientierung der Küche zum Laubengang - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Schwammdach zur Senkung des innerstädtischen Überschwemmungsrisikos - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Das Haus als Organismus - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Wintergarten zur Regulierung des Innenklimas - Das Haus als Organismus

© Quirin Grubert, Hannah Cerbe, Lina Nikolic

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Hannah Cerbe

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

08.2025

Gebäudedaten

Bauweise

Stahlbau

Tragwerkskonstruktion

Stahl

Anzahl der Vollgeschosse

6- bis 10-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Wie schafft man wachsende, sich selbst regulierende Strukturen und welche Ausdrucksformen entstehen, wenn thermische und physikalische Logiken zum Ausgangspunkt eines Entwurfsprozesses werden?

Berlin ist eine Stadt des Unfertigen. Eine Stadt, die nie aufgehört hat zu wachsen, sondern sich immer wieder von innen heraus verändert. Als Reaktion auf das signifikante Bevölkerungswachstum strebt der Berliner Senat bis zum Jahr 2030 den Bau von 140.000 neuen Wohnungen an. Gleichzeitig will Berlin ‚Schwammstadt‘ sein und in Anbetracht klimatischer Extrembedingungen umdenken. Die in 1980er-Jahren von Herbert Sukopp initiierte Biotopkartierung West-Berlins gilt als Pionierleistung in der Entwicklung einer stadtökologischen Perspektive auf den urbanen Raum:​ In Anbetracht der Notwendigkeit eines innerstädtischen Biotopnetzwerks, das Konnektivität und Artenaustausch auch unter den Bedingungen urbaner Fragmentierung ermöglicht, versteht er Stadt und Natur als sich gegenseitig bedingende Faktoren, nicht als Entweder-Oder Beziehung. Seit 2010 verfolgt der Berliner Senat außerdem die Strategie ‚Entsiegelungspotenziale in Berlin‘, um zu entsiegelnde Flächen zu kategorisieren.

Der Entwurf nimmt diese alternative Lesart von Stadt zum Anlass, um fehlende Verknüpfungsstücke im städtischen Biotopverbund zu identifizieren und Reparaturarbeit auf stadtökologischer Ebene zu leisten. Der vermeintliche Konflikt aus Verdichtung und Entsiegelung bietet dabei Grundlage, um die Frage nach Nachverdichtung und urbanen Ökosystemen neu zu stellen. Was passiert, wenn man die ökologischen und physikalischen Voraussetzungen, die Natur eines Ortes in den Mittelpunkt rückt? Was bedeutet dies für die Stadt als statistischen Raum?

Das Projekt arbeitet dabei mit einer Gleichwertigkeit von Maßstäben:​ Es entsteht ein Organismus, in dem Gebäude und Natur anpassungsfähig interagieren, es entstehen Strukturen, die mit ihrer Umgebung in aktiver Wechselwirkung stehen, sich selbst regulieren und urbane Ökosysteme stärken. Jeder kleinste Eingriff wird Teil einer Bilanz auf Stadtebene und das Gebäude als Komponente eines größeren urbanen Organismus verstanden.

Beschreibung der Besonderheiten

Es wird ein Gebäude geschaffen, das sich in Anbetracht der zunehmenden extremen Wetterbedingungen selbst regulieren kann und Kreisläufe möglichst lokal hält. In Anbetracht von Berlins Ziel der „Schwammstadt“ müssen dezentrale innerstädtische Wasserkreisläufe gestärkt werden. Dabei geht es darum, Grundwasserneubildung zu fördern und einer Überlastung der Kanalisation bei Starkregen entgegenzuwirken. Das Projekt tut dies auf unterschiedlichen Maßstabsebenen.

Das Gebäude wird aufgehängt und der Boden darunter in eine Filterzone für versickerndes Wasser der umliegenden Parkplätze transformiert. Im ersten Schritt wird der Asphalt aufgebrochen und die oberen steinigen Erdschichten des Trümmerschuttbodens ausgehoben. Der Erdaushub könnte in größeren Maßstäben über einen Kompostier-Prozess in nährstoffreiche Erde umgewandelt werden oder die mineralischen Anteile als Zuschlagmaterial für Beton aufbereitet werden. Im nächsten Schritt wird die Grube mit nährstoffreicher Erde aufgeschüttet und es werden phytosanierende Pionierpflanzen gepflanzt die mit ihren Wurzeln die Bodenbeschaffenheit verändern. Im Endstadium entsteht ein Boden der Wasser durch eine phytosanierende Pflanzendecke kurzzeitig hält, Schmutzstoffe filtert und dann über eine durchlässige Infiltrationsschicht in Richtung Grundwasser versickern lässt.

Zur Förderung der lokalen Regenwasserrückhaltung verfügt das Gebäude über ein Schwammdach, das Niederschläge speichert und zeitverzögert wieder an die Umgebung abgibt. Dadurch wird das Risiko innerstädtischer Überschwemmungen reduziert. Überschüssiges Regenwasser wird aufbereitet und über Düsen entlang der Fassade versprüht, um diese aktiv zu kühlen. Zusätzlich dient es der Bewässerung der Vegetation im Bereich unter dem Gebäude. Durch Verdunstung kühlt der Wasserdampf die Oberflächentemperatur des Gebäudes (12°C) und der Umgebung (2°C) und reduziert damit effektiv städtischen Hitzeinseln. Ergänzend wird das im Gebäude anfallende Grauwasser in einer Pflanzenkläranlage gereinigt. Ein separates Rohrleitungssystem ermöglicht deren Wiederverwendung, etwa für die Toilettenspülung. So kann Trinkwasser eingespart und der Wasserverbrauch reduziert werden.

Außerdem untersucht das Projekt wie das Innenklima eines Raumes reguliert und auf wechselnde Umweltbedingungen reagieren kann. Dafür wird ein Fassadensystem entwickelt, das durch ein ausgewogenes Zusammenspiel von Speichern, Lüften und Verschatten funktioniert. Im Winter steht die Sonne tief. Die Fassade ist geneigt, um solare Einstrahlung optimal zu nutzen. Die Sonnensegel sind eingefahren und alle Lüftungsklappen geschlossen. Somit dringt die Sonne ungehindert in das Gebäude ein und erwärmt die Luft im Wintergarten. Die warme Luft steigt nach oben und dringt durch das geöffnete Fenster in den Innenraum - die Wohnung wird erwärmt. Im Sommer wird das System umgekehrt genutzt:​ Im Sommer sind die Fenster zur Wohnung geschlossen und alle Lüftungsklappen nach außen geöffnet. Der Sonnenschutz ist heruntergelassen.  Kalte Luft dringt von unten in den Wintergarten, wird erwärmt, steigt nach oben und wird durch Wasserdampf aus Drüsen erneut gekühlt bevor sie in den nächsten Wintergarten aufsteigt. So entsteht ein effektiver Klimapuffer, der die Innenraumtemperatur reguliert und den Energiebedarf für eine Kühlung minimiert. 

Der Entwurf arbeitet mit einer Gleichwertigkeit von Maßstäben und der These, dass sich im kleinen Maßstab genauso viel entscheidet wie im großen:​ Auf städtischer Ebene wird anhand des Flurstücks eine ehemalige Gleisverbindung als grüne Biotopachse repariert. Auf architektonischer Ebene wird ein Gebäude geschaffen, das Kreisläufe lokal hält und im Detail physikalische Logiken zur Regulierung nutzt. Es entsteht ein Organismus in dem Gebäude und Natur anpassungsfähig interagieren, es entstehen Strukturen, die mit ihrer Umgebung in aktiver Wechselwirkung stehen und urbane Ökosysteme stärken. Das Projekt versteht das Gebäude als Teil eines größeren urbanen Organismus. Jeder kleinste Kreislauf wird in einen Zusammenhang mit dem ökologischen Gesamtsystem gesetzt, jeder Eingriff ist Teil einer Bilanz auf Stadtebene.

Auszeichnungen

Anerkennung Competitionline Campus Award

Schlagworte

Stadtökologie, Organismus, Verdichtung, Biotopverbund, Ökosysteme, Entsiegelung, Stahlkonstruktion, Krankonstruktion, Berlin

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