Architekturobjekt 2 von 2.073

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Common water

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Ku Leuven Brussels, Architektur, Sabrina Zach

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Ku Leuven Brussels, Architektur, Sabrina Zach

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Belgien

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

06.2026

Beschreibung

Objektbeschreibung

Common Water - Soft Layers
Das Projekt entstand im Rahmen des Craftsmanship Master Studios "Soft Layers" und befasst sich mit einem ehemaligen Industrieareal in der Kortrijkstraat in Molenbeek, Brüssel. Für dieses Areal liegt bereits ein Masterplan vor:​ Die bestehenden Gebäude sollen abgerissen, der kontaminierte Boden mit importiertem Erdreich versiegelt und die Fläche in einen Stadtpark umgewandelt werden.
Im Studio wurde diese Lösung kritisch hinterfragt:​ Wie kann Architektur die geschichteten Realitäten des städtischen Bodens offenlegen, anstatt sie zu verdecken?
Der gewählte Ansatz macht Wasser zum zentralen Thema. Der versiegelte Boden unterbricht den natürlichen Wasserkreislauf, verstärkt den urbanen Hitzeinsel-Effekt und überlastet bei Starkregen die Brüsseler Kanalisation. Anstatt Regenwasser ungenutzt abzuleiten, entwickelt der Entwurf einen sichtbaren Wasserkreislauf:​ Regenwasser wird von den umgebenden Gebäuden gesammelt und auf den Dächern zentraler Eingangsbauten gespeichert. Von dort wird es im Haushalt genutzt. Das entstehende Grauwasser fließt über einen Filter-Absetztank in ein künstlich angelegtes Feuchtgebiet (Swamp) und wird dort natürlich aufbereitet. Ein Aquädukt für das Regenwasser führt durch den Garten, macht diesen Kreislauf räumlich erfahrbar und verbindet die wichtigsten Nutzungsbereiche des Areals, darunter eine produktive Gemeinschaftsgärtnerei, eine Außenküche für die Community-Kitchen Cassonade sowie einen halböffentlichen, produktiven Hofbereich für Decoratelier und die Nachbarschaft.
Die Entwurfsstrategie folgt den drei vom Studio vorgegebenen Phasen. Im "Ground Dossier" wurden sichtbare und unsichtbare Schichten des Ortes kartiert:​ Boden, Vegetation, Infrastruktur und soziale Praktiken. Im Sinne von Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie wurden sie als Geflecht menschlicher und nichtmenschlicher Akteure gelesen. Im "Gentle Act" verdichtete sich diese Recherche auf das Phänomen der Pfütze – ein kritisches Sinnbild für die verborgene Kontamination. Eine reversible Installation macht das flüchtige Erscheinen von Regenwasser auf der versiegelten Fläche sichtbar und erfahrbar. Im abschließenden Akt "What Remains?" wurde dieser Gedanke zu einem räumlichen Gesamtkonzept weiterentwickelt:​ Wasser wird als Ressource, Habitat und raumbildendes Element verstanden und damit zur Alternative zum städtischen Versiegelungs-Masterplan.
Wasser ist nicht unendlich. Common water gibt es zurück – in den Garten, in die Gemeinschaft, ins Bewusstsein.

Beschreibung der Besonderheiten

Das zentrale Organisationsprinzip des Entwurfs ist der Wasserkreislauf, der die einzelnen Nutzungseinheiten räumlich und funktional miteinander verknüpft. Regenwasser wird auf den Dächern der umliegenden Bestandsgebäude gesammelt und dort zwischengespeichert. Von hier aus wird es für den häuslichen Gebrauch in den angrenzenden Wohnungen genutzt, die kurze Distanz zwischen Sammelpunkt und Nutzung hält die Leitungswege low-tech und nachvollziehbar. 

Das im Haushalt entstehende Grauwasser wird nicht direkt in die städtische Kanalisation geleitet, sondern über einen Absetztank vorgereinigt und anschließend in das künstlich angelegte Feuchtgebiet (Swamp) im tiefer gelegenen Bereich des Gartens geführt. Dort erfolgt die natürliche Aufbereitung durch Bepflanzung und biologische Prozesse. Eine Pumpe führt das aufbereitete Wasser anschließend zurück in die Gebäude, wo es etwa für die Toilettenspülung genutzt wird. Zusätzlich steht es zur Bewässerung der angrenzenden produktiven Gärten und privaten Parzellen zur Verfügung.

Die Vorreinigungstanks selbst sind als räumlich nutzbare Elemente konzipiert:​ Der Raum unterhalb des jeweiligen Absetztanks bleibt nicht ungenutzt, sondern wird in die Gartenstruktur integriert, etwa als öffentliche Toilette oder als Kiosk. So wird die technische Infrastruktur der Wasseraufbereitung zugleich zu einem sozial nutzbaren Ort im Garten. 

Ein durchgehendes Aquädukt verläuft sichtbar durch den Garten, folgt der Topografie vom höher gelegenen Sammelbereich bis zum Feuchtgebiet und macht den Wasserweg damit für die Nutzerinnen und Nutzer ablesbar und nutzbar. Gleichzeitig übernimmt das Aquädukt eine zonierende Funktion:​ Es trennt den eher öffentlichen, sozialen Bereich rund um die Außenküche und die Community-Kitchen Cassonade von den intimeren, halböffentlichen Bereichen des Hofs, den Decoratelier und die Nachbarschaft gemeinsam nutzen. Eine an das Aquädukt angeschlossene Vorhangstruktur erlaubt es, diese Zonierung situativ zu verstärken.

Die Zugänge zum Garten sind bewusst zurückversetzt angeordnet, sodass vor den Toren ein offener, frei zugänglicher Vorbereich für die Straße und die Nachbarschaft entsteht – ein niedrigschwelliger Übergang zwischen öffentlichem Stadtraum und gemeinschaftlich genutztem Garten. Innerhalb des Gartens verbindet ein Stegsystem entlang des Feuchtgebiets die produktive Zone mit dem Wohn- und Sozialbereich und dient zugleich als Spielelement für Kinder. Der kleine Pavillon aus wiederverwendeten Dachelementen ergänzt diese Struktur als witterungsgeschützter Treffpunkt, der unabhängig von den anderen Nutzungen bespielt werden kann.

Schlagworte

Kreislauf, Common water, Gemeinschaft, Außenraum, Constructed Wetland, Bodenkontamination, Regenwassermanagment, Grauwasseraufbereitung, More-than-human, adaptive-reuse, Regenwasser, natürliche Filtration, heat island effect

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