Bergbauorte oder gar Bergbaustädte in Oberbayern sind für viele überraschend. Penzberg ist eine dieser Städte. Hier fuhr man fast 1000 m tief ein, um Pechkohle zu gewinnen. Südlich des Bergwerks entwickelte sich um 1874 eine Siedlungsstruktur mit etwa 60 giebelständigen Wohnhäusern, der sogenannten Kolonie. Das Bergwerk wurde 1966 geschlossen. 1984 wurde ein zentrumsnahes ehemaliges Koloniebergarbeiterhaus unter Denkmalschutz gestellt und zum Stadtmuseum umgewidmet. 2010 wurden erhebliche Brandschutzmängel im Stadtmuseum festgestellt, weshalb eine Schließung des Gebäudes drohte. Der glückliche Umstand der Stadt, mittlerweile über einen Teil des Nachlasses des expressionistischen Malers Heinrich Campendonk als Dauerleihgabe zu verfügen, bewegte die sie zur Sanierung und Erweiterung des Museums. Die sehr begrenzten Grundstücksverhältnisse ließen lediglich einen etwa gleich großen Baukörper zu. Bald schon entwickelte sich in der sehr guten Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt die Idee, einen Zwillingsbau mit gleicher Kubatur neben das alte Museum zu stellen. Die Zwillingsidee gab die Möglichkeit, die historische Bebauung, also die giebelständige Reihung der Koloniehäuser, aufzunehmen und wieder sichtbar werden zu lassen. Beim Entwurf wurde auf prägnante Gegensätze geachtet. Ein spielerisches Gleichgewicht von Ähnlichkeit und Andersartigkeit bot die Lösung für diesen Erweiterungsbau. Am Neubau wurde auf jegliches Schmuckwerk verzichtet. Dafür sollte das Material auf der Fassade sprechen und einen inhaltlichen Bezug zur Kohle herstellen. Das Nebeneinander von heller Altbau- und dunkler Neubaufassade war der erste planerische Gegensatzgedanke. Eine anthrazitfarbene Klinkerfassade für den Neubau entsprach der Farbigkeit der Kohle. Man entschied sich für eine ausgewogene Mischung aus matten und glänzenden Klinkern, die entweder Kohle als Pigment im Scherben enthalten, oder ihren fast schwarzen Glanz durch das Einblasen von Kohle und Salz während des Brennens gewinnen. Lange und dünne Klinkerformate, im wilden Verband vermauert, betonen die horizontale Schichtung, die gleichsam einen Bezug zu den unterirdischen Kohleflözen herstellt. Die freie, ungleichmäßige Verteilung der matten und glänzenden Klinker verstärkt diesen Effekt. Hierdurch hat dieses doch eher trutzige Gebäude einen dynamischen Mantel bekommen, der je nach Lichtstellung unterschiedlich wirkt, mal matt und erdverbunden, mal silbern und luftig. Es ist eine lebendige Fassade geworden, eine Fassade die mit dem Wetter und der Jahreszeit mitgeht. Beide Gebäude verbindet ein transparenter zweigeschossiger Zwischenbau. Die Oberkante des Zwischenbaus liegt deutlich unterhalb der Traufe des Altbaus. Dies war vor allem dem Landesamt für Denkmalpflege wichtig, um den Baukörper des alten Hauses optisch präsent zu halten. Das Haus ist mit modernster Museumstechnik ausgestattet und besitzt aktivierte Bauteile zum Kühlen und Heizen. Lediglich die Luft wird in der Feuchte konditioniert. Die Energieversorgung erfolgt über Erdwärme und eine PV-Anlage.