Architekturobjekte
Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Wohnhaus Michelbach 1a - Wohnen und Arbeiten unter einem Dach
77787 Nordrach, Michelbach 1a
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Michael Welle Architektur GmbH
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Michael Welle Architektur GmbH
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Michelbach 1a, 77787 Nordrach, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
12.2023
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzrahmenbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
2.052 m³
Bruttogrundfläche
640 m²
Nutzfläche
481 m²
Wohnfläche
246 m²
Grundstücksgröße
1.025 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Das steile Hanggrundstück ist nur teilweise bebaubar. Es liegt direkt am Waldrand mit Blick ins Tal.
Das Haus vereint Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Auf einem massiven Sockelgeschoss ruht der Holzbau. Für dessen Bau wurde überwiegend Holz aus den örtlichen Wäldern verwendet. Bis auf drei Pfetten wurde ausschließlich Bauschnittholz verwendet. Das Rundholz wurde größtenteils im benachbarten Sägewerk eingeschnitten und getrocknet, anschließend in der örtlichen Zimmerei gehobelt und zu Elementen gefügt. Der Weg von der Werkstatt zur Baustelle betrug weniger als einen Kilometer. Kein Bauholz wurde über eine Entfernung von mehr als 15 km transportiert. Der verwendete Lehmputz stammt teilweise direkt aus der Baugrube.
Viele Elemente der umliegenden Schwarzwaldhöfe finden sich im Neubau wieder.
Die Bauweise, der Umgang mit der Topografie, die Verwendung regionaler Materialien sowie der überdachte, offene Eingangsbereich „Drippel“ erinnern an die umliegenden Schwarzwaldhöfe.
Durch diese teilweise Neuinterpretation historischer, regionaler Elemente integriert sich der Neubau in die Kulturlandschaft des Schwarzwaldes.
Das Besondere des Projektes
Der hohe Anspruch der Bauherrschaft bezüglich Wohngesundheit und Nachhaltigkeit bildete die Grundlage des Entwurfs. Auf unnatürliche Materialien wurde im Innenraum gänzlich verzichtet. Das verwendete Bauholz ist mit Ausnahme von drei Pfetten komplett frei von Klebern und Leimen. Ein Großteil dessen stammt aus den benachbarten Wäldern und wurde im Umkreis von wenigen Kilometern zu Wand-, Dach- und Deckenelementen gefügt. Die Holzheizung wird durch einen Sonnenkollektor unterstützt. Die Südostfläche des Daches wurde trotz ihrer außergewöhnlichen Geometrie vollständig für eine Indach-Photovoltaikanlage genutzt. In die PV-Anlage sind zwei Dachfenster integriert.
Die Elektroinstallation und Wandheizung wurden in der Putzschicht verlegt. Bei einer Erneuerung der Technik kann der reversible Lehmputz punktuell geöffnet werden, die Installation erneuert und wieder verschlossen werden. Sämtliche Bauteilverbindungen sind ausschließlich geschraubt und damit für Umbau, Reparatur oder Rückbau lösbar ausgeführt.
Wirtschaftlichkeit und tragbare Kosten
Mit einer Grundfläche von 180 qm und drei Geschossen nutzt das Gebäude den bebaubaren Teil des Grundstücks trotz der schwierigen Topografie optimal aus. Die Verwendung von örtlichem Holz und Lehm reduzierten die Materialkosten. Dank einfacher und durchdachter Details war es möglich, dass sehr viel Eigenleistung erbracht werden konnte. Die PV-Anlage mit Batteriespeicher und heizungsunterstützende Sonnenkollektoren kombiniert mit einer sehr guten Wärmedämmung reduzieren die Unterhaltskosten auf ein Minimum.
Energieeffizienz und Klimaschutz
Eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle war nicht nur für den Wärmeschutz, sondern insbesondere für den sommerlichen Hitzeschutz von zentraler Bedeutung. Als Dämmstoff wurde Stroh eingesetzt. Neben guten Dämmeigenschaften bietet es aufgrund seiner vergleichsweise hohen Dichte einen ausgezeichneten sommerlichen Wärmeschutz. Gleichzeitig weist Stroh eine deutlich geringere graue Energie auf als vergleichbare nachwachsende Dämmstoffe. Es kann ohne chemische Zusatzstoffe verarbeitet werden.
Es wurde darauf geachtet, dass die Baumaterialien ohne Chemie verarbeitet wurden. Lediglich die Böden und Möbel sind für eine bessere Nutzung mit Naturöl behandelt. Das Zurückführen des Baumaterials in den natürlichen Kreislauf ist bedenkenlos.
Die ca. 50 t Lehm im Gebäude verbessern das Raumklima ungemein. Die regulierenden Eigenschaften des Lehms sind im Inneren spürbar. Als naturreines Material kann Lehm nach seiner Nutzung wiederverwendet oder der Natur schadlos zurückgegeben werden.
Architektur und Baukultur
Einige der typischen Merkmale der regional weit verbreiteten historischen Schwarzwaldhöfe sind im Neubau zu entdecken. So geht das Gebäude auf die Hangsituation ein und nutzt diese zur Erschließung der unterschiedlichen Nutzungsebenen aus. Die typische Bauweise des reinen Holzbaus auf einem massiven Sockel wird eins zu eins übernommen. An der Traufe wird das Dach möglichst weit heruntergezogen um die Ansichtshöhe und Wetterschutz des Daches ideal auszunutzen. Der Giebel blickt in Richtung Tal, wie es auch beim historischen Vorbild üblich ist. Die verwendeten Materialien knüpfen an die regionale Bautradition an. Ihre Verarbeitung erfolgte jedoch mit zeitgemäßen Fertigungsmethoden und modernen handwerklichen Techniken.
Städtebaulicher Kontext
Der fünfeckige Baukörper nimmt an zwei Seiten die Abgrenzung der Außenbereichssatzung auf. An der Ostseite orientiert sich die Traufe an der Straßenkante. Die nordöstliche Giebelseite folgt der dortigen Hangkante. Die Dachneigung an der Süd- Ostseite nutzt die Sonneneinstrahlung optimal aus und nimmt gleichzeitig den Hangverlauf auf.
Freiraumgestaltung und Klimaanpassung
Das Grundstück liegt am Waldrand. Der nahegelegene Wald musste auf Grund der Bauvorschriften zurückgenommen werden. Tannen und Fichten wurden zu Bauholz weiterverarbeitet. Aus den Kastanien wurde der Dielenboden der Wohnung. Die versiegelten Flächen werden auf ein Minimum für die Erschließung reduziert. Wobei der Erschließungsweg auch für die auf dem rückwertigen Grundstück entstehenden drei weiteren Wohneinheiten dient. Das Regenwasser wird gesammelt und für die Toilettenspülung verwendet.
Sozialer Anspruch
Das Baugrundstück am Waldrand mit einem 180° Blick ins Tal wurde nicht einfach mit einem Einfamilienwohnhaus bebaut sondern mit einer maximalen Nutzung auf minimaler Grundfläche. Das Haus dient neben dem Wohnen in zwei Einheiten auch dem Arbeiten in Büro und Werkstatt.
Auf Ausschreibungen wurde verzichtet. Es wurde auf Vertrauen und fairen Umgang zwischen Bauherr und Handwerker gesetzt.
Bauprozess und -logistik
Der massive Keller wurde vor dem Fertigungsprozess des Holzbaus errichtet. Dieser beherbergte die Werkstatt in der viele der Ausbauelemente gefertigt wurden. Die Holzbauteile wurden in der örtlichen Zimmerei vorgefertigt, sodass die Bauzeit auf ein Minimum reduziert werden konnte. Lehm aus der Baugrube wurde als Schüttung und teilweise als Grundputz verwendet, dies sparte Transportwege ein.
Kooperationen und innovative Konzepte der Zusammenarbeit
Regionale Waldbauern waren die Lieferanten des Rohstoffes Holz. Dieses wurde bei den örtlichen Sägewerken eingeschnitten und getrocknet. Das Bauholz wurde in der örtlichen Zimmerei gehobelt, abgebunden und zu Wand-, Decken-, und Dachelementen gefertigt. Die Holzalufenster stammen vom regionalen Fensterbauer. Die Böden wurden aus den Bäumen des Grundstücks regional hergestellt. Auch der Lehm aus der Baugrube wurde direkt für den Bau verwendet.
Beschreibung der Besonderheiten
Nachhaltigkeit
Auszeichnungen
Anerkennung Wohnbauten des Jahres 2024
Aufnahme Architekturroute Bauwerk Schwarzwald 2024
Auszeichnung Beispielhaftes Bauen Ortenaukreis 2025
Innovationspreis Lehmbau BW 2025
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Holz
Sekundärenergie
Solarthermie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
15,80 kWh/(m²a)
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
6
Anzahl Wohneinheiten
2
Anzahl Stellplätze
5
Das Objekt im Internet
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